Kunst als Brücke – Wo Welten sich begegnen

02.11.2026 | Rückblick auf die Ausstellung und das Begleitprogramm zum 40-jährigen Jubiläum der Peru-Partnerschaft

Kunst verbindet Menschen, eröffnet Einblicke in andere Lebenswirklichkeiten und regt zum Nachdenken an. Wie vielfältig diese Möglichkeiten sind, zeigte die Ausstellung „Kunst als Brücke – Wo Welten sich begegnen“, die vom 18. September bis zum 23. Oktober 2026 im Karl Rahner Haus in Freiburg zu sehen war.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Partnerschaft zwischen der Erzdiözese Freiburg und der Kirche in Peru brachte sie künstlerische Arbeiten aus beiden Ländern zusammen. Ein abwechslungsreiches Begleitprogramm mit Literatur, Erzählkunst, Musik und Gesprächen vertiefte die Auseinandersetzung mit den gezeigten Werken und ihren Themen. Ermöglicht wurde das Projekt durch die finanzielle Unterstützung der Erzbischof-Hermann-Stiftung der Erzdiözese Freiburg.
 
Eine Ausstellung mit vielen Geschichten
Am 18. September wurde die Ausstellung im Karl-Rahner-Haus mit einer Vernissage eröffnet, die von der Freiburger Gruppe „Maldicho“ musikalisch begleitet wurde. Dabei wurde auch an die Anfänge der Partnerschaftsarbeit in der Christlichen Arbeiterjugend und in Rheinstetten im Jahr 1979 erinnert. Schon damals ermöglichte Kunst über sprachliche Grenzen hinweg Einblicke in andere Lebenswirklichkeiten.
 
Die Ausstellung vereinte Malerei, Grafik, Collagen, textile Arbeiten und Plastiken. Vertreten waren unter anderem Werke der peruanischen Künstler Lorenzo Talaverano, Jaime Colán und des verstorbenen Víctor Ávila sowie der deutschen Kunstschaffenden Raphaela Kind, Katharina Ziegler, Sabine Rukatukl und José F. A. Oliver.
 
Einen besonderen Charakter erhielt die Ausstellung durch zahlreiche private Leihgaben aus der Peru-Partnerschaft, darunter Bilder, Erinnerungsstücke und Gastgeschenke aus Peru. Dazu gehörten auch Arpilleras, textile Bilder, die Alltagserfahrungen und gesellschaftliche Realitäten in Peru darstellen. Auch junge Menschen beteiligten sich mit eigenen Arbeiten: Schülerinnen der Realschule Rheinmünster, die seit zehn Jahren eine Schulpartnerschaft mit Fe y Alegría in San Juan de Lurigancho pflegt, sowie Mitglieder der CAJ.
 

   
   
 
 
Literatur zwischen Lebenswelten – José F. A. Oliver
Den Auftakt des Begleitprogramms bildete am 24. September die Lesung „W:anderwelten“ mit dem bekannten Lyriker und Schriftsteller José F. A. Oliver.
 
José Oliver ist der Peru-Partnerschaft seit vielen Jahren eng verbunden, unter anderem in der Begleitung der Reisen, als Übersetzer und ein langjähriges Engagagent für „MANTHOC“, eine Bewegung arbeitender Kinder in Peru. Seine Erfahrungen fanden auch Eingang in sein literarisches Schaffen, unter anderem in Lyrikband „Vater unser in Lima“ aus dem Jahr 1991.
Jose Oliver las Gedichte und Essays und gab einen tiefen Einblick in das Denken und Wortkunst-Schaffen dieses Ausnahmekünstlers. Im Gespräch an diesem intensiven und bewegenden Abend wurde seine Prägung und Sensibilisierung durch die Begegnungen deutlich.
  
Eine Reise durch Perus Märchen und Mythen
Einen ganz anderen Zugang zu Peru eröffnete am 8. Oktober die Erzählerin Dorothée León mit ihrem Programm „Das Mädchen und der Kondor – In Märchen und Mythen durch die drei Welten Perus“.
 
Mit Stimme, Mimik und Bewegung ließ sie drei Geschichten aus den großen Landschaftsräumen Perus lebendig werden: den alten Mythos von Cuniraya und Cavillaca, der von Liebe, Täuschung und einer tragischen Flucht bis an die Pazifikküste erzählt; die Geschichte eines Hirtenmädchens, das von einem Kondor in die eisigen Höhen der Anden entführt wird und schließlich selbst die Gestalt eines Kondors annimmt; und die Erzählung von der Yacumama, der großen Schlange und Urmutter des Wassers und des Lebens, deren Reich im Amazonas-Regenwald durch menschliche Gier bedroht wird.
 
Die Geschichten vermittelten nicht nur einen Eindruck vom Reichtum der peruanischen Erzähltraditionen, sondern griffen zugleich Fragen nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur, nach Freiheit, Macht und menschlicher Gier auf. Dorothée León, die seit vielen Jahren als Erzählerin und Theaterpädagogin arbeitet und auch in Peru auf Spanisch erzählt hat, begeisterte mit ihrer lebendigen und ausdrucksstarken Erzählweise.
 
Geschichte, Erinnerung und Gegenwart – der bewaffnete Konflikt in Peru
Mit einem schwierigen Kapitel der jüngeren peruanischen Geschichte beschäftigte sich am 15. Oktober die peruanische Rechtsanwältin Elena Muguruza. Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand der interne bewaffnete Konflikt in Peru zwischen 1980 und 2000, der rund siebzigtausend Menschen das Leben kostete und bis heute tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen hat. Die Gewalt ging sowohl von den bewaffneten Organisationen Sendero Luminoso und MRTA als auch von staatlichen Sicherheitskräften aus. Besonders betroffen waren Menschen in ländlichen Regionen und Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen.
 
Muguruza beleuchtete die historischen Hintergründe des Konflikts. Dabei wurde deutlich, dass soziale und wirtschaftliche Missstände zwar wichtige Rahmenbedingungen bildeten, die unmittelbare Ursache des Konflikts jedoch in der Entscheidung des Sendero Luminoso lag, seine radikale maoistische Ideologie mit Gewalt durchzusetzen.
 
Ein besonderes Augenmerk galt den Perspektiven der Betroffenen und ihrem Einsatz für Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit. Zur Sprache kam auch die Arbeit der peruanischen Wahrheits- und Versöhnungskommission. Der Vortrag machte deutlich, wie eng die Aufarbeitung der Vergangenheit bis heute mit der Anerkennung der Opfer und dem Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft verbunden ist.
 
Kunst verbindet – ein deutsch-peruanisches Künstlergespräch mit Musik
Den Abschluss des Begleitprogramms bildete am 19. Oktober ein Gespräch zwischen dem peruanischen Künstler Lorenzo Talaverano und dem Freiburger Künstler Markus Franke. Unter dem Titel „Kunst verbindet“ tauschten sich die beiden darüber aus, welche Rolle Kunst im Umgang mit Gewalt, gesellschaftlichen Missständen und Menschenrechten spielen kann.
 
Lorenzo Talaverano schilderte, wie stark seine künstlerische Arbeit von den Erfahrungen mit Armut, Gewalt und Ungerechtigkeit in Peru geprägt ist. Er erinnerte sich an seine Jugend, als er trotz finanzieller Not malte, während seine Familie dringend Geld für den Lebensunterhalt benötigte. Dieser Zwiespalt zwischen der unmittelbaren Verantwortung für seine Familie und dem inneren Drang, mit seiner Kunst gegen Gewalt und Elend aufzubegehren, beschäftige ihn bis heute. Kunst könne zwar keine gesellschaftlichen Probleme lösen, aber Ungerechtigkeit sichtbar machen, Erinnerung bewahren und der Gleichgültigkeit etwas entgegensetzen.
 
Markus Franke, evangelischer Pfarrer und Künstler, berichtete von seinen Erfahrungen als Lehrer und der Verunsicherung junger Menschen angesichts von Kriegen, Krisen und der täglichen Informationsflut. Auch solche Erfahrungen fließen in seine Kunst ein. Zugleich betonte er die Freiheit der Kunst, die nicht auf eine politische Botschaft oder einen bestimmten Zweck reduziert werden dürfe. Vielmehr entstehe Kunst häufig in einem offenen Prozess, in dem sich Ideen erst während des Schaffens entwickeln. Gerade die unterschiedlichen Sichtweisen machten das Gespräch interessant und zeigten, wie vielfältig Kunst gesellschaftliche Wirklichkeit aufgreifen und zum Nachdenken anregen kann.
 
Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Freiburger Lateinamerika-Chor mit Liedern wie „A la molina no voy más“ oder „La Libertad llegó“, die Themen wie Unterdrückung und Freiheit aufgriffen und damit auch inhaltlich an das Künstlergespräch anknüpften.
 
Mehr als eine Ausstellung
Die Ausstellung stieß auf viel positive Resonanz und wurde zugleich zu einem Ort der Begegnung und des Wiedersehens. Langjährig Engagierte der Peru-Partnerschaft und ehemalige Mitglieder der CAJ trafen sich zum Teil nach vielen Jahren wieder, tauschten Erinnerungen aus und knüpften an frühere Kontakte an. Auch neue Begegnungen entstanden. So wurden die gewachsenen Beziehungen und die lebendige Geschichte der Peru-Partnerschaft auf besondere Weise erfahrbar.
 
Organisiert wurde die Ausstellung gemeinsam vom Referat Weltkirche der Erzdiözese Freiburg, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und der Christlichen Arbeiter*innen Jugend (CAJ). Ein herzlicher Dank gilt allen Künstlerinnen und Künstlern, den privaten Leihgebern sowie den Mitwirkenden des Begleitprogramms. Ebenso danken die Veranstalter dem Karl Rahner Haus für die Gastfreundschaft und die gute Zusammenarbeit sowie der Erzbischof-Hermann-Stiftung für ihre großzügige Unterstützung.
 
sv