Vom 18. bis 20. Mai 2025 reisten Dante Sejekam, Anführer der Awajún-Gemeinschaft im Gebiet des Río Cenepa, und Sonia Pastor, Vertreterin des Vikariats Jaén in Peru, nach Berlin, um die durch den Goldabbau verursachte kritische Situation in der Amazonasregion bei politischen Entscheidungsträger/innen vorzubringen.
Gäste der Erzdiözese Freiburg aus dem Amazonas in Berlin: Ein bedeutender Dialog mit politischen Entscheidungsträgern
28.05.2025 |
Die Reise hatte unter anderem die Sensibilisierung für die weltweiten Folgen der dort stattfindenden illegalen Aktivitäten sowie die Bildung von Allianzen zum Ziel und wurde von der Erzdiözese Freiburg in Zusammenarbeit mit Misereor organisiert. Wir danken unseren Gesprächspartnern im deutschen politischen Raum für den konstruktiven Austausch.
Klimapartnerschaft und Kooperationsabkommen zum Drogenhandel zwischen Peru und Deutschland als Verbindungspunkte
Am Montagvormittag traf die Delegation im Auswärtigen Amt mit Vertretern des Referats für Andine Länder zusammen. Dort berichtete Dante Sejekam über die aktuelle Situation des illegalen Goldabbaus in der nördlichen Amazonasregion Perus.
Der indigene Anführer der Awajún warnte eindringlich vor dem rasanten Anstieg des illegalen Goldabbaus und dessen Vorstoß in neue Gebiete des Amazonas-Regenwaldes in Peru. Diese Entwicklung betrifft die Territorien immer weiterer indigener Gemeinschaften. Sejekam, Präsident der indigenen Organisation des Einzugsgebiets des Río Cenepa (ODECOFROC), berichtete von den verheerenden Folgen, die der Bergbau bereits heute in seiner Heimat verursacht: die Zerstörung des Flusses und der lokalen Ökosysteme, Zwangsprostitution Minderjähriger, eine HIV-Epidemie unter der indigenen Bevölkerung sowie die Zerstörung des sozialen Gefüges ihrer Gemeinschaften.
Dante Sejekam betonte zudem, dass der illegale Goldbergbau zunehmend eng mit dem Drogenhandel im Amazonasgebiet verwoben ist. Aufgrund der hohen Goldpreise und der laxen Kontrollen im internationalen Handel, stellt das Edelmetall eine weniger riskante, aber äußerst lukrative Einnahmequelle dar und wird als einfache Strategie der Geldwäsche genutzt.
Im Dialog mit den Regierungsvertretern unterstrich die peruanische Delegation, dass gemeinsame Arbeitsplattformen zwischen Deutschland und Peru – wie die im Jahr 2022 unterzeichnete Klimapartnerschaft sowie die Absichtserklärung über eine Sicherheitskooperation im Jahr 2024 – einen wertvollen Rahmen bilden könnten, um gemeinsam Lösungen für die drängenden Probleme zu erarbeiten. Dabei betonten sie die Bedeutung von Transparenz und die aktive Einbindung der Zivilgesellschaft, um Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu gewährleisten.
Amazonien, Menschenrechte und internationale Zusammenarbeit
Am Nachmittag folgte ein Treffen im Bundestag mit Mitarbeitenden verschiedener Fraktionen (CDU, SPD, Grüne), die mit dem Thema Menschenrechte in Lateinamerika befasst sind. Für Sonia Pastor und Dante Sejekam sind internationale Allianzen von großer Bedeutung, um den Problemen im Amazonas entgegenzuwirken, gerade vor dem Hintergrund, dass die peruanische Regierung durch Gesetze die illegalen Aktivitäten begünstigt oder sogar legalisiert. Die bedeutende Rolle der Kirche, die aktuell die einzige Unterstützung für die indigenen Gemeinschaften vor Ort darstellt, wurde ebenfalls thematisiert.
Am Dienstagmorgen folgte die Delegation einer Einladung des Lateinamerikareferats im Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ.
Auch dort wiesen die Partner darauf hin, dass gerade Projekte im Bereich Menschenrechte und zugunsten vulnerabler Bevölkerungsgruppen durch das APCI-Gesetz, an dessen genauer Ausgestaltung derzeit in Peru gearbeitet wird, gefährdet sein werden.
Die Delegation sieht insbesondere den Dialog und die Allianzen mit Menschenrechts- und indigenen Organisationen als entscheidend für eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Ländern an.
Zudem wurde die Notwendigkeit betont, wirtschaftliche Alternativen zu schaffen, die Klimakrise zu bekämpfen und die demokratische Sensibilisierung in Peru zu fördern – insbesondere im Hinblick auf die Wahlen 2026. Auch die innerdeutschen Prozesse, wie die Sicherung des Entwicklungsetats und die Stärkung von Sorgfaltspflichten für Unternehmen, seien von Bedeutung.
Austausch mit NGO-Vertretern und GIZ
Vor der Rückreise nach Freiburg fand ein Mittagessen mit Vertreter*innen der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, kolko e.V. und der deutschen Menschenrechtskoordination Mexiko statt. Dabei ging es vorrangig um den Austausch und Vergleich mit der Situation in anderen Ländern wie Mexiko und Kolumbien sowie deren Sichtweisen auf die anstehenden Herausforderungen.
Fazit
Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Situation im Amazonas und Deutschland – sei es durch die Lieferketten, die den Regenwald mit deutschen Verbraucher/innen verbinden, oder durch die besorgniserregende Sicherheitslage und den Kampf gegen den zunehmenden Kokainhandel in Deutschland und Europa. Noch bedeutender ist jedoch der Kampf gegen die Klimakrise und den Verlust der Biodiversität. Diese Bedrohungen kennen keine Grenzen und erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen Ländern und Kontinenten. Nur durch internationale Allianzen können wir wirksam gegen diese drängenden Probleme vorgehen und eine nachhaltige Zukunft sichern. Die Kirche könnte, auch vor dem Hintergrund eines peruanischen Papstes, als wichtiger Akteur in der internationalen Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnen. S. Valenzuela / V. Schaeffer








