Tagebuch Perureise 2026: Tag 8

23.07.2026 | Räume, in denen niemand allein bleiben soll

In Callao erlebt die Freiburger Delegation die ganze Bandbreite kirchlichen Lebens: fröhliche Begegnungen mit Kindern, die Sorge um Gewalt und Armut und die konkrete Hilfe eines Comedors.
Ein Besuch bei der lutherischen Gemeinde in Lima öffnet den Blick auf die Bedeutung von Ökumene und gemeinsamer christlicher Verantwortung.

Nach den Tagen im peruanischen Hochland ging es für die Freiburger Delegation am 22. Juli zurück an die Küste. Am frühen Morgen führte der Flug von Huancayo nach Lima und damit zunächst nach Callao, denn der Flughafen liegt mitten in der Hafenstadt.
 
Dort wurde die Gruppe schon zum Frühstück in einer Partnergemeinde erwartet. Anschließend stand zunächst der Besuch eines Kindergartens auf dem Programm. Die Kinder begrüßten die Gäste mit Liedern und Trommeln, danach ging es durch die verschiedenen Räume zum Basteln und Spielen, für Bewegung und andere Angebote. Vieles wurde dabei nicht nur angeschaut. Einige Delegationsmitglieder setzten sich zu den Kindern und kneteten mit ihnen. Weihbischof Peter ließ es sich außerdem nicht nehmen, auch einmal die Kinderrutsche auszuprobieren.
 
So fröhlich der Vormittag begann, so ernst waren manche Gespräche mit den Menschen vor Ort. Callao ist stark von Kriminalität geprägt. Die Verantwortlichen berichteten von Erpressungen, Schutzgeldforderungen und der Angst, mit der viele Familien inzwischen leben. Auch Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein großes Thema. Besonders häufig, so wurde erzählt, geschehe sexualisierte Gewalt im familiären Umfeld. In vielen Häusern leben mehrere Familien auf engem Raum zusammen. Gerade für Frauen und Mädchen können daraus Abhängigkeiten und Situationen entstehen, in denen es schwer ist, sich Hilfe zu holen.
 
Eine weitere Station war der Comedor, der auch von der Partnerschaft mit Friesenheim unterstützt wird. Dort werden Menschen und Familien mit Essen versorgt, die trotz viel Arbeit und großer Anstrengung kaum über die Runden kommen.
 
Den Verantwortlichen war wichtig, dass der Comedor nicht einfach als Essensausgabe verstanden wird. Die Menschen, die kommen, sollen nicht auf ihre Bedürftigkeit reduziert werden. Sie arbeiten, kümmern sich um ihre Familien und kämpfen sich durch ihren Alltag. Ihre Würde steht dabei im Mittelpunkt.
„Hier wird nicht nur der Körper ernährt, sondern auch das Herz“, hieß es bei der Vorstellung der Arbeit. Wer zum Comedor kommt, soll spüren, dass er nicht allein ist und dass es Menschen gibt, die ihn sehen und begleiten.
An einer Wand steht dazu ein Satz, der vieles von diesem Selbstverständnis zusammenfasst: „Wir gestalten den Weg gemeinsam.“ Niemand soll ausgeschlossen bleiben.
 
Nach einer Eucharistiefeier mit dem Weihbischof von Callao wurde gemeinsam gegessen. Weil der eigentliche Raum des Comedor für die Delegation und die Menschen, die dort sonst zum Essen kommen, zu klein gewesen wäre, zog die ganze Runde in einen größeren Saal der Diözese um. Dort saßen schließlich alle miteinander an den Tischen. Es gab, wie so oft auf dieser Reise, Reis mit Hähnchen. Natürlich stand auch Inca Kola bereit.
 
Einblicke in das ökumenische Miteinander in Peru
Am Nachmittag ging es weiter zur evangelischen Christuskirche in Lima. Dort traf die Delegation die beiden Pfarrer der lutherischen Gemeinde und informierte sich über deren Arbeit.
Die lutherische Kirche gehört in Peru zu den kleineren christlichen Gemeinschaften und ist vielen Menschen kaum bekannt. Deshalb versucht die Gemeinde, nicht nur auf diejenigen zu warten, die ohnehin zum Gottesdienst kommen. Die Pfarrer suchen den Kontakt nach außen. Auch das Gelände der Christuskirche wird bewusst für andere Veranstaltungen geöffnet. Dort finden etwa Konzerte und kulturelle Angebote statt. So kommen auch Menschen mit der Gemeinde in Berührung, die zunächst gar keinen direkten Bezug zur Kirche haben.
Im Gespräch ging es um die unterschiedlichen kirchlichen Erfahrungen in Peru und Deutschland, um die Situation kleiner Gemeinden und darum, wie Kirche heute Menschen erreichen kann. Zum Abschluss wurde gemeinsam gebetet mit Taizé-Liedern, Kerzen und freien Fürbitten.
  
Dorothée Kissel